Leseprobe "Das Haus in den Hügeln"
I
Nun ist endlich die Zeit verschwunden. Die Tage sind noch da, die Nächte auch, sie kommen und gehen wie es ihnen zusteht, aber es gibt keine Zeit mehr. Ich habe noch nie eine Uhr getragen, auch früher nicht, als Zeit noch eine Rolle gespielt hat. Es schien mir nie nötig, da Uhren in unserer Welt nahezu überall zu finden sind. Das Messen von Zeit ist neben dem Berechnen von Kapitaleinsatz und Gewinnerwartung die Lieblingsbeschäftigung der gegenwärtigen Epoche. Dabei fällt auf: Von beidem haben die Menschen stets zu wenig, von der Zeit, vom Kapital. Ein Experiment: Wäre, wenn man auf das ständige Messen und Berechnen verzichten würde, das Gemessene und Berechnete mit einem Mal reichlich, vielleicht sogar im Überfluss vorhanden? Meine Erfahrung, seit ich hier bin, ist: Auf die Zeit trifft dies zu. Sie verschwindet und ist damit, paradoxerweise, mit einem Mal unerschöpflich vorhanden. Für mein Kapital gilt dies bedauerlicherweise nicht, hier muss sich noch herausstellen, wie ich zurechtkommen werde. Aber ohne Zeitmaß wird aus der Zeit – ja, was?